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Tod im Schrebergarten – Szenen einer Ehe
September 6, 2011, 1:25 pm
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Völlig entspannt döste die Schrebergartensiedlung Klein Buxtehude an diesem schönen Montagvormittag in der Februarsonne vor sich hin. Das erste Mal in diesem Jahr war das Quecksilber über die zehn Grad-Marke geklettert. Der Himmel war strahlend blau, die ersten Maiglöckchen streckten ihre Köpfe aus der Erde und die Luft duftete nach Frühling. Bald würden die ersten Kleingärtner hier aufschlagen und so lange mussten sich die vielen eng beieinander stehenden Wohnmobile, die verschimmelten Kinderplanschbecken und die hässlichen Hollywoodschaukeln noch gedulden. Der Familie Kohlmeisen, die auf dem noch nackten Ast eines Apfelbaums saß, fröhlich piepsend mit den Flügelchen schlug und dabei argwöhnisch von einem verschlafenen Gartenzwerg beäugt wurde, war das egal. Schließlich war das in diesem Moment der friedlichste Platz auf Erden.

Bis plötzlich ein Schuss fiel und Frau Hansedorf lang vor ihrer Einfahrt lag. Unter ihren buschigen Augenbrauen hatte sie mit einem Mal ein stattliches Loch, durch das gut und gerne eine Billardkugel gepasst hätte. Neben dran stand ihr Ehemann mit einer rauchenden, doppelläufigen Schrotflinte und schüttelte den Kopf. Erstens, weil er ihn – ganz im Gegensatz zu seiner Frau – noch schütteln konnte. Und zweitens, weil Herr Hansedorf eigentlich seit seiner Zeit beim Militär Pazifist gewesen war. Die Flinte besaß er nur, weil es sie vor einigen Jahren als Bausatz in der Jägerzeitschrift gegeben hatte, die er so leidenschaftlich gerne las.

„Eine einfache Scheidung wäre vielleicht doch die bessere Lösung gewesen“, dachte er und beobachtete dabei, wie die Reste vom Gehirn seiner Frau in einer schleimigen Spur am Garagentor herunterliefen. Es erinnerte ihn an ein Schneckenrennen, das er mal im Urlaub auf Mallorca gesehen hatte. Im Holiday Club in Palma war das damals die Attraktion gewesen, und nicht wenige Mitreisende hatten an der kleinen Rennstrecke im Foyer des Hotels ihr letztes Urlaubsgeld verspielt. So ganz hatte Herr Hansedorf die Begeisterung schon damals nicht verstehen können und jetzt war es nicht anders. Schneckenrennen waren Tierquälerei, dachte er und wurde bei der Erinnerung daran fast ein bisschen zornig. Solche Menschen müsse man wegsperren, dachte er sich. Doch er kam vom Thema ab. Schließlich lag seine Gerda immer noch mit ihrem neuen Loch im Kopf auf der Straße und zeigte dabei nicht ein mal das kleinste Anzeichen von Reue. „Das ist wieder typisch, immer bin ich an allem Schuld“, sagte Hansedorf laut und ließ die Schrotflinte sinken. „Du wirst dich nie ändern.“


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